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Freitag, 3. Juli 2009

Schnupper-Verschwörung, Klappe die 2.

"Die Katze lässt das Mausen nicht" - so heißt es so schön im Volksmund. Genausowenig wie anscheinend Mitmieter, die wahrscheinlich ein sehr eintöniges Leben führen, das Lästern sein lassen können.

Konnten wir noch vor ein paar Monaten die Augen verdrehen und drüber schmunzeln, hat es jetzt neue, verrückte - und im wahrsten Sinne des Wortes bedrohliche Formen angenommen, die wir nicht mehr witzig finden können.

Vor einigen Wochen - just da, als ich meinen allerersten Abend ohne Kind verbringen durfte, klingelte unsere "heiß geliebte" Mitmieterin am späten Abend, um sich - mal wieder- über den Geruch zu beschweren und mit der Polizei zu drohen. Als ich davon erfuhr, ist mir der Kragen geplatzt, zumal das Kind nach dieser Störung nicht mehr ins Bett zu kriegen war und Papa bis in die frühen Morgenstunden nicht zur Ruhe kam, und ich wollte die gute Frau zur Rede stellen. Da ich nicht mehr ganz nüchtern war, hab ich es lieber bleiben lassen. Man weiß ja nie, was sich die gute Frau darauf wieder für einen Reim macht.

Die Gelegenheit bot sich dann ein paar Tage später im Hausflur. Ich bat sie freundlich, aber bestimmt, die abendlichen Belästigungen zu unterlassen und bitte bei der nächsten Geruchsbelästigung sofort die Polizei zu rufen, statt meine Familie aus dem Bett zu reißen. Daraufhin war zum ersten Mal ihr sonst so schleimig-freundlicher Ton weg und sie wurde recht unfreundlich. Sie arme Person könne ja durch den Gestank auch nicht schlafen. Als ich daraufhin bemerkte, wir könnten ihr da auch nicht helfen, ging sie grummelnd die Treppen nach oben. Die Geschichte hatte auch glatt ein Nachspiel:

Als ich ein paar Tage später nix ahnend am Spiegel stand (in Hörweite unserer Wohnungstür), hörte ich folgende Satzfetzen: "... die da drüben... die räuchern aus religiösen Gründen, das hat mir die olle Zicke da selbst erzählt...."
Na ja, eigentlich hätte ich nicht übel Lust gehabt, die Tür aufzureißen und zu fragen, welche Religion die dumme Zicke denn hätte. Aber das hätte so ausgesehen, als hätte ich an der Tür gelauscht. Gut, zugegeben, daraufhin hab ich das dann auch. Es kam dann noch was wie: "... und was man immer für Schreie aus der Wohnung hört... Hilfe, hör auf und so..." Jo, hört man. Das nennt sich "Spielen" und "Maßregelung", wenn der Sprössling zu grob wird und sollte eigentlich in jeder Familie mit Kindern normal sein. Daraufhin habe ich mich bei der Hausverwaltung beschwert, die aber vorgezogen hat, sich nicht einzumischen und dann die Mieterberatung konsultiert. Der Berater stellte sich als netter Anwalt heraus, der mir gleich seine Addresse und Nummer gab. Zum Glück, wie sich letzten Dienstag herausstellte:

Mein Freund war kurz zum Spätkauf gegangen und kam wutentbrannt wieder in die Wohnung gestürmt. Er erzählte mir, der Sohn der Frau über uns hatte ihm gedroht, wenn der Gestank nicht bald aufhören sollte, würde was passieren. Als mein Freund ihm (zum gefühlt 100ten Mal) sagte, dass es nicht von uns käme und sie sich bitte an die Polizei wenden sollen, packte der Kerl meinen Freund am Kragen und drohte ihm nochmals. Ich dachte, ich hör nicht richtig. Na ja, da ich so friedlich und sanft wie eine Gazelle bin - na ja, oder wie auch immer die grauen Tiere mit den Hörnern auf der Nase heißen - wollte ich sofort hoch, um die beiden zur Rede zu stellen. Wir sind unter erwachsenen Leuten und das ist ja wohl kein Grund (na ja, für manche scheinbar schon), zu solchen Mafia-Methoden zu greifen. Wir riefen einen Freund an, der als Zeuge fungieren sollte (ich werd den Teufel tun, da ohne Zeugen hochzugehen) und ich klingelte oben. Obwohl man Hundegejaule und Stimmen hörte, machte keiner auf. Al Capone versteckte sich anscheinend bei seiner Mama. Später sahen wir, dass sogar das Licht brannte. Ohne Worte.

Heut hatten wir endlich unseren lang ersehnten Anwaltstermin. Ragnar hats in der Kanzlei total Spaß gemacht, der Anwalt ließ ihn auf dem Tisch sitzen, malen und ins Diktiergerät sprechen. Unser Anliegen wurde natürlich auch besprochen - sehr erfolgreich, wenn für mich auch ungewohnt - der Mann erwartete Sachlichkeit, was für mich in so einer Situation sehr schwer ist. Aber es hat letztendlich doch noch geklappt und die Frau bekommt demnächst Post mit den Dingen, die sie in Zukunft zu unterlassen hat. Ich bin schon sehr gespannt und ehrlich gesagt auch etwas schadenfroh. Wie gern hätt ich den Brief persönlich überbracht, schön mit Geschenkpapier und Schleifchen, sowie Kamera im Anschlag :-D

Geht natürlich leider nicht und so kann ich nur warten, ob irgendwann nochmal eine Rückmeldung kommt. Ich hoffe nicht, ansonsten heißt es wohl wieder "Wir begrüßen Sie herzlich zum nächsten Teil der großen Schnupper-Verschwörung!"

Liebe Grüße,

Urs