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Donnerstag, 25. August 2011

It ain't easy....

.... als arbeitende Mutter.

Entschuldigt bitte meinen harschen Tonfall, aber ich bin sowas von angekotzt.

Wie einige von euch wissen werden, habe ich meinen Job mit relativ kinderfreundlichen Job mit immer gleichen Arbeitszeiten und freien Wochenenden gegen einen Floristenjob mit Schichtdienst "eingetauscht". Freie Wochenenden sind der pure Luxus. Freie Feiertage auch.

Ich fange entweder früh an und höre halbwegs früh auf oder fange spät an und darf erst spät wieder gehen. So spät, dass der Kleine schon lang im Bett liegt, wenn ich komme. Und ich danach auch gleich wieder ins Bett darf - denn ich muss ja morgens relativ früh raus. Ich seh den Kleinen zum Frühstück und bringe ihn in den Kindergarten. Mein Mann holt ihn dann ab und verbringt den Tag mit ihm. Mir fällt es nicht leicht, Mann und Kinder so selten zu sehen. Ich merke, wie es mir an die Substanz geht. Mein Trost ist, dass er tagsüber gut und liebevoll versorgt wird.

UND WAS KOMMT??? Ja, was kommt, lieber Leser?

Jedes Mal, wenn ich von meiner Arbeit rede, kommt unvermeidlich ein: "Und die Kindääääääär?"

Ja, genau. Es mag vielleicht nett gemeint sein und alles. Aber wenn man es zum hundertsten Mal hört, platzt einem der Kragen. Ehrlich. Ich mein, was denken sich die Leute??? Dass ich alte Rabenmutter den Kleinen einsperre bei Wasser und Brot? Dass er sich die Augen in einem einsamen, dunklen Zimmer ausheulen muss, bis Mama wiederkommt?

Vielleicht denkt auch einfach mal jemand daran, dass es für Mütter wie mich auch kein Zuckerschlecken ist und dass diese Fragerei einfach wehtut und das eh schon schlechte Gewissen noch größer wird? Ich würde auch lieber den Kleinen mit einem Küsschen ins Bett stecken anstatt den x-ten Kunden irgendwann um kurz nach acht zu fragen: "Wollen Sie es eingepackt haben? Frischhaltemittel liegt bei..."Ich kann mir weder Zeit noch Geld aus den Rippen schneiden. Sollte dies jemandem gelingen, möge er mir bitte mitteilen, wie das geht. Zweiteilen würde notfalls auch reichen.

Ich mein, ich will keine Lobgesänge oder so hören. Ich möchte einfach nur, dass die Leute wissen, dass es mir wichtig ist, mein Brot selbst zu verdienen. Egal, wie schwer es manchmal ist.
Klar, ich könnte es mir einfach machen und zum Amt gehen. Ich könnte auch meinen Mann allein arbeiten lassen. Dann hätte ich alle Zeit der Welt. Toll. Das ist aber für mich alles keine Alternative. Ich möchte, dass wir unabhängig sind und nicht am Existenzminimum leben (Kinder kosten nun mal). Uns auch mal was leisten können. Eine Zukunft aufbauen. Und ich brauche die Arbeit einfach.

Nichtsdestotrotz liebe ich meine Kinder über alles. Die wenige Zeit mit ihnen ist mir umso wertvoller.

Ich glaube, der nächste, der mich fragt, kriegt die Frage dorthin gesteckt, wo die Sonne nicht scheint. Trocken und bis zum Anschlag. Mit einer Tüte Blumenfrisch, selbstverständlich :)

Völlig angefressene Grüße,

Urs

Dienstag, 20. Oktober 2009

Keiner mag den Vorarbeiter....

... und der Vorarbeiter, das bin ich. Na ja, zumindest der stellvertretende. Wie ihr vielleicht wisst, wurde ich befördert, wenn auch nicht zur Freude aller Beteiligten.

Manche Leute können nicht verknusen, wenn eine Person, die kürzer im Betrieb arbeitet als sie selbst, plötzlich höher steht. Besonders, wenn diese Person auch noch mit einem tollen Satz Doppel-X-Chromosomen ausgestattet ist, sprich eine Frau ist. Unseren Serben hat das anscheinend ziemlich mitgenommen. Auf die Ankündigung, dass er fortan auf mich zu hören hätte, reagierte er mit heftigem Gekauderwelsche: "Wie lange sie hier arbeiten? Immer macht Probleme!" Oh, schuldig im Sinne der Anklage - wenn Probleme machen bedeutet, die Kollegen von allzu verfrühtem Feierabend abzuhalten. Klar, dass sie damit Probleme haben - immerhin kriegen die Herrschaften schon ab 12 Heimweh.

Ich freu mich selbst über verfrühten Feierabend, klar, ich mein, man hat ja noch ein Leben nach der Arbeit. Aber für mich sieht der Feierabend optimalerweise so aus, dass mein Chef mir auf die Schulter klopft und sagt: "Das haste dir verdient" und nicht, dass man die Hälfte liegen lässt, in der Hoffnung, dass es keiner merkt. Ich hab mir definitiv nicht ausgedacht, dass es für alle Pflicht ist, bis zum Schluss zu bleiben. Nö. Ich hab auch keinen Spaß dran, meine Kollegen zu kontrollieren. Aber scheinbar hat die Chefetage beschlossen, dass die Arbeitsmoral der Truppe es nötig macht. Und der undankbare Job blieb an mir hängen.

Gestern hab ich mich schon unbeliebt gemacht, indem ich den Chef fragte, was noch zu tun ist und er - oh Schreck - wirklich noch was für uns zu tun hatte (der Kollege wollte einfach gehen). Okay, für eine Stunde ARbeit noch rumfahren zu müssen, fand ich auch doof, aber wir werden dafür bezahlt und in dieser Zeit gehören unsere Ärsche der Firma. So einfach ist das.
Heute musste ich alleine arbeiten und bekam die Anweisung, hinterher zu den Kollegen zu fahren, um zu gucken, wie die ARbeit läuft. Und ob sie überhaupt noch läuft. Die Sorge meines Chefs war berechtigt, denn um kurz nach eins stand die Truppe gehfertig vor mir. Oh, und wieder den Feierabend versaut. Der Serbe rastete völlig aus und sagte, er wolle mir jetzt nicht mehr Hallo sagen: "Das wollen WIR nicht mehr" - ah, okay. Der Rest der Truppe hat mich allerdings artig gegrüßt, wenn auch mit ziemlich grantigen Gesichtern. Er wäre der Auffassung, ich würde aus Spaß kontrollieren. Ja, genau. Dann fing er noch an, anzügliche Bemerkungen zu machen, die allerdings keiner so genau verstanden hat. Besser ist das auch für ihn. Naja, wenigstens er hatte Spaß dabei *lol*.

Unser etwas nörgeliger Kollege war übrigens heut als Kontrastprogramm ausgesprochen nett zu mir.

Was ich besonders geil finde: diese drei Personen stehen auf der Abschussliste der Firma, die nur auf einen Fehltritt wartet. Die scheinen gar nicht zu raffen, dass ich dafür sorge, dass sie ihre Jobs behalten. Scheinbar sind die Jungs nie der Pubertät entwachsen und verstehen gar nicht den Sinn hinter den Vorschriften. Immerhin hängt auch mein Job dran.

Scheinbar sind die Herren im Kindergarten gar nicht so verkehrt. Vielleicht lernen sie dort noch was fürs Leben XD

Heutiger Lichtblick: heute im Flur kam ein kleines Mädchen auf mich zu - augenscheinlich ein Integrationskind - und lachte mich an. Ich kniete mich hin, um ihr Hallo zu sagen und das kleine Mädchen kam angerannt und knuddelte mich einfach so ganz lange. Wir hatten uns vorher nie gesehen. War irgendwie total rührend und ich hab mich den ganzen Tag darüber freuen können. Sagte ich schon, dass ich die Kinder auf der Arbeit liebe?

Ich meine natürlich die kleinen - nicht die großen ;-)

Etwas geschaffte und genervte Grüße,

Urs

Donnerstag, 10. September 2009

Ich bin nich mehr dein Freund....

... und kauf dir auch kein' Lutschaaaaaaa....

So oder ähnlich hör ich es in letzter Zeit oft. Wie einige von euch wissen, habe ich seit dem 1. 9. einen neuen Job. Ich arbeite als Garten-Landschaftsbau-Helferin in einem Kindergarten. Ich liebe meine Arbeit. Ja, wirklich. Ursprünglich wollte ich ja ein Halbtagsplatz auf einem Tierfriedhof machen, aber durch die Initiative einer netten Bearbeiterin bekam ich eine(leider befristete) Vollzeitstelle zugeteilt - sogar bezahlt, zwar nicht gut, aber immerhin. Beim Vorstellungsgespräch war ich noch überzeugt, dass ich die Stelle sicher hätte und redete mit Chef und Vorarbeiter ganz locker und flapsig in klassisch-ursischer Manier ("Wie, Sie wollen meine Zeugnisse nicht sehen? Na hörnse mal, wofür hab ich mich da eigentlich so abgeschleppt?!"). Es stellte sich heraus, dass ich noch Mitbewerber hatte. War mir das peinlich. Aber scheinbar hat es den beiden nix ausgemacht und ich hatte den Job.

Angefangen hat alles ganz klassisch: kurz vor meinem Einführungstag wurde ich nochmal so richtig krank und schleppte mich dann mit Husten, Fieber und ziemlich tauben Ohren dorthin und musste am nächsten Tag auch noch etwas kränklich arbeiten. Aber das macht man ja gern.

Nachdem ich jetzt eine Woche mit meinen zwei Kollegen zusammengearbeitet habe, kann ich nur sagen: Hilfe.
Einer fauler als der andere, wobei der eine ständig riecht wie eine Destille und ich mich jedes Mal aufs Neue wundern muss, wie er noch geradeaus laufen kann (wir erinnern uns: Kindergarten). Der andere glänzt primär durch ein großes Maul und versucht ständig den Chef raushängen zu lassen. Er ist Serbe und versteht gerade DANN kein Deutsch, wenns mal unangenehm für ihn wird. Die Wörter Mittagspause und Feierabend versteht er aber blendend, kann ich euch sagen.
Ständig steht er hinter mir und versucht mir sogar für die einfachsten Dinge Anweisungen zu geben. Ich kann euch versichern, dass ich einen Raum mit Folie auslegen und abkleben kann, ohne dass hinter mir ständig jemand sagt: "Ja, sehr schön..." - genauso wie ich einen Baumarkt finde, wenn mir jemand den Weg beschreibt. Aber zwecklos, er wollte mit - was man nicht alles tut, um nicht arbeiten zu müssen. Argh. Die beiden kriegen übrigens schon ab 12 Heimweh und fangen dann an, ihre Sachen zu packen, obwohl es bereits ordentlich Ärger gab und die beiden schon auf der Abschussliste stehen. "Ist ja nix mehr zu tun..." - wenn ich mich dann aber anbiete, fragen zu gehen, werden die beiden Herren fast schon hysterisch. Als ich vorgestern Anschiss für die Faulheit der beiden Herren kassiert hab, ist mir dann der Kragen geplatzt. Hallo? Immerhin gefährden die Herren wissentlich meinen Arbeitsplatz...

Das Ende vom Lied: ich werde versetzt und muss dafür eine Std früher raus, sprich viertel nach vier. Aber das isses mir wert. Ich darf mit meinem Vorarbeiter arbeiten, der vernünftigste und netteste von allen, die ich bei dem Haufen bis jetzt kennen lernen durfte. Morgen darf ich sogar einen Kindergarten ganz alleine handlen. Schön, dass sie mir das zutrauen, das freut mich ehrlich.

Mein letzter Arbeitstag in dieser Filiale war allerdings schön. Die Kinder waren süß wie immer (unser Serbe jagt die immer weg, deswegen kommen die zu mir,hehe) und bald war ich umringt von einem Pulk Steppkes, die mir unbedingt helfen wollten, den Zaun abzuschleifen. Also hab ich Sandpapier verteilt und alle waren froh - sogar der Erzieher, der mal n paar Minuten Ruhe hatte. Das Wetter war richtig toll und ich hab mir um diese Jahreszeit noch nen Sonnenbrand geholt. Mein serbischer Kollege brauchte 2 Stunden, um die Blumen zu gießen und wollte nicht mitschleifen, weil das Sandpapier seinen Ansprüchen nicht genügte und dachte anscheinend wirklich, er könne nach Hause gehen. Der andere war rechtschaffen verzweifelt, wie er es mit der faulen Socke aushalten sollte. Ein "trink ihn dir schön" konnte ich mir gerade so verkneifen - ein schadenfrohes Grinsen allerdings nicht. Er tat mir allerdings wirklich etwas Leid, weil rein persönlich war er eigentlich okay und konnte sogar recht arbeitsam sein, wenn er wollte.

Ich bin dermaßen gespannt, was noch so auf mich zukommt. In meiner neuen Filiale werd ich noch mehr mit Kindern zu tun haben als jetzt schon. Das freut mich total. Und Arbeit soll auch immer en masse vorhanden sein, sogar Steine setzen sollen wir lernen. Momentan hab ich i-wie das Spongegbob-Syndrom: ich freue mich so richtig auf die Arbeit und hab selbst morgens um sechs schon gute Laune *lach*.

An dieser STelle möchte ich auch Grüße an die dalassen, die ich in letzter Zeit schmählich vernachlässigt habe. Tut mir ehrlich leid, ich hab momentan einfach zuviel um die Ohren und schlaf abends manchmal schon um halb zehn einfach ein. Nein, ich hab euch nicht vergessen. Danke für all die lieben Mails und PNs - ich werde sie beantworten, wenn ich wieder die Zeit und den Kopf dazu habe. Danke für eure Geduld.

Arbeitsame *ich bin bereiiiit*-Grüße,

Eure Urs

Donnerstag, 4. Juni 2009

Ein ganz besonderer Tag :)



Heute will ich mich nicht über Nachbarn ärgern oder mich über das Treiben der braunen Gebrüder auslassen. Nein. Der heutige Tag ist viel zu schön und zu wichtig, um sich mit irgendwelchen Leuten rumzuärgern. Was? Sie will nicht vom Leder ziehen? Dann muss das aber wirklich ein besonderer Tag sein. Richtig, lieber Leser!

Heut hat nämlich mein kleines Hasebabybärchen Geburtstag - nein, halt - Hasebärchen ohne "baby". Denn mit 2 ist man ja schon gar keins mehr, auch wenn Mama das gern vergisst :)

Mir kommts vor, als wäre er erst gestern zur Welt gekommen - schon damals hatte er seinen unverwechselbaren Sturkopf. Scheinbar hatte er sich in den Kopf gesetzt, Mama und Papa zu überraschen. Das hat geklappt. So eilig, wie er es hatte, hätten wir ihn fast zuhause bekommen. Aber es ist ja alles nochmal gut gegangen und da war er - ein kleines Yodagesicht, rot und grantig, wie es Babys so an sich haben, wenn sie aus Mamas Bauch geradewegs an die frische Luft gesetzt werden. Einzig seine Augenfarbe war etwas ungewöhnlich: braun von Anfang an, wie sonst nur bei Asiaten oder Kindern mit dunkler Hautfarbe. Und eine riesige Zornesfalte über dem linken Auge.

Die Zornesfalte hat sich mittlerweile verwachsen. Ebenso wie sein anfängliches Dauergeheul mit der Zeit weniger geworden ist. Geblieben sind sein Dickkopf, seine ganz eigene Art von Humor und sein unwiderstehlicher Charme, noch verstärkt durch seine riesigen Smartie-Kulleraugen. Auch das laute Organ kommt manchmal noch zum Tragen, auch kleine Könige müssen lernen, dass nicht immer alles nach ihrer Facon läuft. Eltern hingegen müssen lernen, dass kleine Könige ab einem gewissen Alter sorglos alles nachplaudern, was sie so aufschnappen und gerne den Spieß umdrehen, wenn man sie ärgert. Oder sie einfach der netten Frau im Supermarkt ein fröhliches "Stinker" an den Kopf werfen.

Ich bin so stolz, Mama einer solchen Nervensäge zu sein - der tollsten, knuddeligsten, klügsten, süßesten, zickigsten, lautesten, neugierigsten, grabschändigsten, fleckenverursachendsten, bärigsten, monsterhaftesten, kumpeligsten kleinen Nervensäge, die es gibt. Wobei ihm das noch nicht mal annäherungsweise gerecht wird :-)

Denkt alle ganz lieb an ihn, er freut sich bestimmt :-)

Stolz-wie-Bolle-Grüße,

Urs

P. S.:Ragnar, deine Mama hat dich fürchterlich doll lieb. Trotzdem zeigt sie den Leuten jetzt Babybilder, die dir später sicher peinlich sind ^^

Freitag, 15. Mai 2009

Bei kleinen Wikingern zu Tisch

Bei uns ist eigentlich immer was los - das Leben gibt sich Mühe, uns immer wieder aufs Neue zu überraschen. Gegen die Flausen eines fast 2-Jährigen ist das Leben allerdings fast schon herzlich unkreativ.

Eins von Ragnars Hauptfächern ist momentan Physik. Wie verhält sich Milch, wenn ich sie aus meinem Becher in einen Duplostein und danach in die Tischdeko kippe? Und vor Allem - wie verhält sich Mama, wenn sie die Bescherung sieht? Warum wird die Milch von Behälter zu Behälter immer weniger? Und wieviel Zewa braucht man, um das Chaos wieder zu beseitigen?

Nebenbei belegt er auch gerade einen Kurs in Verhaltensforschung. Sein beliebtestes Forschungslabor ist der Abendbrottisch. Die Zeit, in der er friedlich und niedlich vor seinem Tellerchen saß, ist wohl erstmal für ne Weile vorbei. Seit ein paar Tagen ist Grenzen austesten angesagt. Was macht Mama, wenn ich den ungeliebten Kartoffelbrei an ihrem Arm abschmiere? Oder einfach mal den Teller umdrehe?
Dass Ragnar ein nörgeliger Esser ist, ist uns schon recht früh klargeworden. Aber was tun mit einem Kind, das jegliches unliebsames Gemüse vom Teller fegt und lauthals nach "FEISCH!" "FEISCH!!!" verlangt? Immerhin weiß ich jetzt, dass er schon kleine Sätze sagen kann: "Nein, keine Bohnen!"

Gestern abend ist mir dann der Kragen geplatzt. Es muss gewesen sein, nachdem er jegliche normale Unterhaltung mit "Ja. JA! JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!"- Geschrei boykottiert hat und dann auch noch aufstand, so wild auf der Couch herumrannte, dass uns teilweise das Essen im Hals stecken geblieben ist und er mir auf meine Ermahnung die Zunge rausstreckte. Mama lässt sich viel gefallen. Aber das war dann eindeutig zu viel. Es gab ein Donnerwetter und der kleine König wurde in seinen Thron gesteckt, wo er dann auch anstandslos blieb, bis alle aufgegessen hatten. Ja Wahnsinn. Ich hoffe nur, diese Phase hält nicht allzu lang an.

Ansonsten hilft da wohl nur, das Katastrophengebiet weiträumig abzudecken und darauf zu hoffen, dass der Glatzenmann aus der Putzmittelwerbung wirklich alles wieder sauber kriegt. Und Schokolade. Für Mamas Nerven versteht sich ;-)

Liebe Grüße,

Urs

Freitag, 17. April 2009

Die Crux mit seltenen Vornamen

Abend, zusammen!

Ich muss da mal wieder was loswerden, was mich in letzter Zeit ziemlich beschäftigt.

Wir haben uns vor knapp zwei Jahren unglaublich viel Mühe gegeben, unserem Sohn einen schönen Namen zu geben. Nordisch sollte er sein, nicht allzu häufig und eine schöne Bedeutung haben. Wir haben Listen geschrieben, Bücher gewälzt und viel viel diskutiert, bis wir auf einen gemeinsamen Nenner gekommen sind. Zum Schluss sind es doch drei Namen geworden:

Ragnar Hagen Leonid. Ragnar= Ratgeber im Heer, Hagen= der Beschützer. Hagen bedeutet mir allerdings noch mehr, nur das wäre nochmal ein Thema für sich. Leonid = Löwensohn, stark wie ein Löwe.

Sehr nett, fanden wir - sehr komisch, fanden die anderen. "Klingt wie Ragnarök" oder "Warum musste es denn ausgerechnet ein indischer Name sein?" Ähm, ja. Da hat wohl jemand Quarks und Co. geguckt. Leider scheint demjenigen nicht aufgefallen zu sein, dass der Moderator RaNGar heißt. Aber wenigstens in der Verwandtschaft hat man sich mittlerweile an den Namen gewöhnt.

Wenn man von Fremden nach dem Namen gefragt wird, müsste man eigentlich prinzipiell ne Kamera zücken. Die ratlosen Gesichter der Leute sind jedesmal köstlich. Meistens folgt dann: "Bitte WIE?" und ein prinzipiell falscher Versuch, den Namen zu wiederholen. Manchmal kommt dann ein etwas irritierter Kommentar wie: "Ääääh, mutig..." oder, wenn derjenige etwas taktvoller ist, die Frage, woher der Name denn komme.

Jetzt, wo die Spielplatzsaison angefangen hat, wird man recht oft gefragt. Und ich muss sagen, ich bin tierisch genervt. Mütter, die wahrscheinlich bei Sprösslingen namens "Lennox-Dustin" oder "Cheyenne-Scarlett" vor Begeisterung Pipi in die Augen kriegen, können weder "Ragnar" richtig aussprechen, geschweige denn, sich merken. Anscheinend werden bei der Namensvergabe von Sprösslingen nur gewisse Formen der Individualität als gut erachtet:

-Gut scheint es zu sein, einen Namen aus einem Kulturkreis zu wählen, der so absolut überhaupt nicht zum urdeutschen Nachnamen passt und den man schlimmstenfalls noch nicht mal richtig aussprechen kann.

-Besonders stylish ist es, wenn man dem Namen noch eine persönliche Note durch ganz eigene Rechtschreibung hinzufügt. Aus Amerika schwappte das "y" zu uns herüber und tausende Dustyns und Fynns dürfen sich freuen, sich von ihren Namensvettern mit dem ordinären "i" zu unterscheiden.

-Gut scheinen auch Namen zu sein, die man aus Film, Funk und Fernsehen kennt. Wenn ein Promi mal wieder ein Dritte-Welt-Kind seiner Sammlung zuführt oder zur Abwechslung auch mal selbst eins bekommt, kann man sicher sein, dass kurze Zeit später genau diese Namen in den Geburtsanzeigen auftauchen.

-Doppelnamen sind ja sowas von individuell - hui. Der kleine Heinz-Kevin wird sich bedanken ^^

-Bedeutung ist out - Klang ist wichtig. Mag sein, dass es cool klingt, wenn man "Taaaaylor!" über den Spielplatz schreit. Weniger cool ist es dann, wenn man rausfindet, dass der Name des armen Sprösslings schlicht und ergreifend "Schneider" bedeutet. Für mich ist das auch insofern tragisch, als dass ich finde, dass Namensvergabe etwas magisches ist und man dem Kind mit der Bedeutung auch etwas auf den Weg gibt.

Allerdings muss ich auch sagen, dass man mittlerweile auch wieder viele Kinder mit klassischen oder alten Namen trifft - was ich persönlich sehr schön finde. Auch bei Ragnar ist mir schon mehrfach aufgefallen, dass die Leute auf seinen Zweitnamen sehr positiv reagieren. Eine Mutter ist sogar schon dazu übergegangen, ihn Hagen zu nennen, weil sie sich Ragnar nicht merken kann.

Ob ich Ragnar mal frage, ob er nicht vielleicht lieber ein kleiner Hagen sein will? ^^

Was denkt ihr darüber?

Liebe Grüße,

Eure Urs