Freitag, 30. Oktober 2009

Urbane Absonderlichkeiten

Lieber Leser!

Wenn du meinen Blog fleißig verfolgt hast, wirst du sicher auch wissen, was die Berliner so in den Öffentlichen tun: sie stinken, musizieren und viele andere komische Dinge. Vielleicht bist du zu dem Entschluss gekommen, dass die Berliner eh alle verrückt sind. Höchstwahrscheinlich hast du sogar Recht. Man erlebt immer wieder Dinge, die einen sogar als eingefleischten Großstädter aus den Socken hauen:

Heute konnte ich im Großstadtdschungel wieder eine interessante Begegnung machen... diesmal mit einer *hüstel* Schlange.

Nichtsahnend und in Feierabendlaune betrat ich den Bus nach Hause. Das Publikum war bunt gemischt - Mütter mit ihren Kindern, ein paar ältere Herrschaften und die obligatorischen Handwerker in ihrer Arbeitskleidung durften nicht fehlen. Mir gegenüber saß ein unscheinbarer, älterer Herr in weißer Malerkleidung - augenscheinlich war er genauso froh über den Feierabend wie ich. Im Laufe der Fahrt leerte sich der Bus und hinten saßen nur noch der Maler und ich. Da er auf gleicher Höhe und genau in meiner Blickrichtung saß, guckte ich öfters mal rüber und dachte mir nix dabei. Bis... nun ja, mein Blick auf seine Hose fiel. Der Hosenstall war offen, und raus hing.... ja, genau. Ich dachte, ich hätte mich geirrt und guckte unauffällig noch einmal. Tatsache, sein Willy hing dort ganz offensichtlich und wollte augenscheinlich frische Luft schnappen. Au Backe. Wat nu?

War der ältere Herr einfach nur fürchterlich schusselig - ich mein, jeder vergisst mal, den Hosenstall zu schließen (allerdings frag ich mich doch, wo die Unterhose war?)? Wäre es vielleicht angebracht gewesen, ihn darauf aufmerksam zu machen? Aber wie weist man jemanden diskret auf einen solchen Missstand hin? "Entschuldigung, da hängt was bei ihnen?"

Vielleicht war der Herr aber auch einer dieser Kandidaten, der gern mal sein bestes Teil in die Luft hängt, um es bestaunen zu lassen? In dem Fall hätte er sich über meinen Hinweis wahrscheinlich noch gefreut. Ein herzhaftes Lachen und ein "Wenn meiner so klein wär, würd ich den aber nicht rumzeigen" wirkt bei solchen Leuten erfahrungsgemäß Wunder.

Da ich mir leider nicht sicher sein konnte, hab ich den Mund gehalten und aus dem Fenster geguckt. Spätestens draußen würde er es auch sicher von selbst bemerken, immerhin war es ja ziemlich kalt. Irgendwie wars mir auch etwas peinlich- ich bin ja nicht prüde, aber ich bestimme schon gern selbst, wann ich so etwas sehen möchte. Und das ist definitiv nicht kurz nach Feierabend im Bus. Inständig hoffte ich, dass er vor mir aussteigen möge, sonst hätte ich ihn und seinen besten Freund im Vorbeigehen unweigerlich noch mal im Blickfeld gehabt. Aber was für ein Glück - genau eine Station vor mir musste er raus. Natürlich konnte ich mir da einen neugierigen Blick nicht verkneifen. Aber scheinbar hatte er entweder Willy schon von seinem Ausflug zurückgeholt oder er war schlicht und ergreifend kälteresistent - er ging ganz ungerührt die Straße entlang und verschwand aus meinem Blickfeld. So was.

Nun ja, sollte ich ihn in Begleitung von Willy das nächste Mal antreffen, weiß ich, woran ich bin und was ich zu tun hab. Erwähnte ich schon, dass ich Stahlkappen in meinen Arbeitsschuhen habe? ^^

Immer noch etwas perplexe Grüße,

Eure Urs

Dienstag, 20. Oktober 2009

Keiner mag den Vorarbeiter....

... und der Vorarbeiter, das bin ich. Na ja, zumindest der stellvertretende. Wie ihr vielleicht wisst, wurde ich befördert, wenn auch nicht zur Freude aller Beteiligten.

Manche Leute können nicht verknusen, wenn eine Person, die kürzer im Betrieb arbeitet als sie selbst, plötzlich höher steht. Besonders, wenn diese Person auch noch mit einem tollen Satz Doppel-X-Chromosomen ausgestattet ist, sprich eine Frau ist. Unseren Serben hat das anscheinend ziemlich mitgenommen. Auf die Ankündigung, dass er fortan auf mich zu hören hätte, reagierte er mit heftigem Gekauderwelsche: "Wie lange sie hier arbeiten? Immer macht Probleme!" Oh, schuldig im Sinne der Anklage - wenn Probleme machen bedeutet, die Kollegen von allzu verfrühtem Feierabend abzuhalten. Klar, dass sie damit Probleme haben - immerhin kriegen die Herrschaften schon ab 12 Heimweh.

Ich freu mich selbst über verfrühten Feierabend, klar, ich mein, man hat ja noch ein Leben nach der Arbeit. Aber für mich sieht der Feierabend optimalerweise so aus, dass mein Chef mir auf die Schulter klopft und sagt: "Das haste dir verdient" und nicht, dass man die Hälfte liegen lässt, in der Hoffnung, dass es keiner merkt. Ich hab mir definitiv nicht ausgedacht, dass es für alle Pflicht ist, bis zum Schluss zu bleiben. Nö. Ich hab auch keinen Spaß dran, meine Kollegen zu kontrollieren. Aber scheinbar hat die Chefetage beschlossen, dass die Arbeitsmoral der Truppe es nötig macht. Und der undankbare Job blieb an mir hängen.

Gestern hab ich mich schon unbeliebt gemacht, indem ich den Chef fragte, was noch zu tun ist und er - oh Schreck - wirklich noch was für uns zu tun hatte (der Kollege wollte einfach gehen). Okay, für eine Stunde ARbeit noch rumfahren zu müssen, fand ich auch doof, aber wir werden dafür bezahlt und in dieser Zeit gehören unsere Ärsche der Firma. So einfach ist das.
Heute musste ich alleine arbeiten und bekam die Anweisung, hinterher zu den Kollegen zu fahren, um zu gucken, wie die ARbeit läuft. Und ob sie überhaupt noch läuft. Die Sorge meines Chefs war berechtigt, denn um kurz nach eins stand die Truppe gehfertig vor mir. Oh, und wieder den Feierabend versaut. Der Serbe rastete völlig aus und sagte, er wolle mir jetzt nicht mehr Hallo sagen: "Das wollen WIR nicht mehr" - ah, okay. Der Rest der Truppe hat mich allerdings artig gegrüßt, wenn auch mit ziemlich grantigen Gesichtern. Er wäre der Auffassung, ich würde aus Spaß kontrollieren. Ja, genau. Dann fing er noch an, anzügliche Bemerkungen zu machen, die allerdings keiner so genau verstanden hat. Besser ist das auch für ihn. Naja, wenigstens er hatte Spaß dabei *lol*.

Unser etwas nörgeliger Kollege war übrigens heut als Kontrastprogramm ausgesprochen nett zu mir.

Was ich besonders geil finde: diese drei Personen stehen auf der Abschussliste der Firma, die nur auf einen Fehltritt wartet. Die scheinen gar nicht zu raffen, dass ich dafür sorge, dass sie ihre Jobs behalten. Scheinbar sind die Jungs nie der Pubertät entwachsen und verstehen gar nicht den Sinn hinter den Vorschriften. Immerhin hängt auch mein Job dran.

Scheinbar sind die Herren im Kindergarten gar nicht so verkehrt. Vielleicht lernen sie dort noch was fürs Leben XD

Heutiger Lichtblick: heute im Flur kam ein kleines Mädchen auf mich zu - augenscheinlich ein Integrationskind - und lachte mich an. Ich kniete mich hin, um ihr Hallo zu sagen und das kleine Mädchen kam angerannt und knuddelte mich einfach so ganz lange. Wir hatten uns vorher nie gesehen. War irgendwie total rührend und ich hab mich den ganzen Tag darüber freuen können. Sagte ich schon, dass ich die Kinder auf der Arbeit liebe?

Ich meine natürlich die kleinen - nicht die großen ;-)

Etwas geschaffte und genervte Grüße,

Urs

Dienstag, 13. Oktober 2009

Gar schwülstig Geschwafel

Hallo, liebe Leser!

Der Eine oder Andere, der sich unter Heiden, Reenactors, Rollenspielern oder ähnlich verrückten Leuten bewegt, wird es sicher schon mal mitbekommen haben: einige Exemplare dieser eben genannten Spezies scheinen es nicht wirklich begriffen zu haben, dass wir im Jahre 2009 leben - oder wollen es einfach nicht. Sie sprechen konsequent so, wie man vor 1000 Jahren oder früher gesprochen hat - oder viel mehr das, was sie dafür halten. Manchmal ist es einfach zum Davonlaufen.

Ich gebe zu, manchmal bin ich etwas phantasielos: Ich hab schon auf dem Mittelaltermarkt Probleme mit diesem "Marktsprech". Ich möchte keine "gar wundersamen Kräutelein für der Silberlinge drei" - nein, ich möchte meine Teemischung und dafür bekommt ihr 3 Euros. So einfach ist das. Auch beim Rollenspiel war ich oft der Spielverderber, weil ich mich an diese merkwürdigen Ausdrucksweisen einfach nicht gewöhnen konnte. Warum ne umständliche Grußformel, wenn ein schlichtes "Tach" genauso ausreicht? Ähm ja, wie gesagt, das mag man meinem schlichten Gemüt zuschreiben - es ist einfach nicht meine Welt. Im Grunde ist es auch okay, solange es den Leuten Spaß macht und sie zwischen Spiel und Realität unterscheiden können.

Manche können das leider nicht, das fällt mir gerade in der Heidenszene auf. Die Leute reden in normalen Gesprächen teilweise dermaßen schwülstig daher, dass ich manchmal arge Probleme habe, diese Leute ernst zu nehmen. Aber warum? Realitätsflucht? Oder ist man dadurch authentischer oder gar heidnischer? Will man damit zeigen, wie nah man den alten Werten und seinen hochwerten Ahnen ist? Ich bezweifel wirklich stark, dass man damals bei jeder sich bietenden Gelegenheit "Bei Odins Bart!" oder "Bei Thor" gesagt oder in ähnlicher Manier weihevoll vor sich hinschwadroniert hat.

Ich mag schöne alte Segenssprüche und ähnliches, aber manchmal habe ich echt das Gefühl, mein Gegenüber benutzt einen heidnischen Geschwurbel-Generator. Sollte es diesen noch nicht geben, müsste man einen solchen glatt erfinden - als Leckerli für unsere sentimentalen heidnischen Mitmenschen.

Auf Knopfdruck bekommt man einen bombastischen Satzwust, der bestimmt jedem Mitheiden die Tränen in die Augen treibt (aus Verzückung oder Verzweiflung sei mal dahingestellt). Wahlweise erhältlich mit den Ahnen, irgendwelchen Schwertern, Blut, Odin, Thor (gern auch seinem Hammer) oder Tyr, hochheiligem Zorn, den Nornen (oder deren Fäden *hüstel*), dem Schicksal, Walhall und ähnlichen Größen, malerisch gepaart mit oh!s, ah!s, ha!s und diversen Konjunktiven. Dies wahlweise als Schwur, Drohung oder einfach als fröhliche Bemerkung mittendrin. Geschwurbel to go quasi ^^

Aber nochmal Scherz beiseite, ich frag mich, wie diese Leute außerhalb des Internets reden? "Möge Thors Blitz dich für dein Falschparken strafen, du Neiding!" Oder wie will man so bei einem Vorstellungsgespräch überzeugen? Dem Chef sagen: "Der allgewaltige Odin führt meinen Schwertarm. Ha! Wir werden siegreich sein, oder von seinen Walküren nach Walhall geleitet werden!" Kommt sicher gut, wenn man sich als Buchhalter oder ähnliches vorstellt.

Oft sind die mit dem größten Bombast sowieso diejenigen mit der wenigsten Ahnung, aber das nur am Rande.

Wie schauts denn bei euch aus? Stört euch sowas? Oder ist euch das relativ egal? Habt ihr mit solchen Leuten auch schon Erfahrungen gemacht - oder seid ihr gar selbst solche Schwurbler (nun denn, fasset euch ein Herz und berichtet ^^)? Auch wenn ihr der Meinung seid, dass die alte Urs in dem Fall nur wieder etwas mufflig ist und keinen Sinn dafür hat, könnt ihrs gern hier loswerden.

Ich bin schon ganz gespannt :-)

Fröhliche Feierabendgrüße,

Urs

Samstag, 3. Oktober 2009

Wenn der Amtsschimmel wiehert...

Neulich erst hatten wir in einem Forum das Gespräch über die manchmal erschreckende Inkompetenz und Unfreundlichkeit in den deutschen Ämtern. Ich lobte das Jugendamt Berlin für einen sehr zuvorkommenden Service. Leider etwas zu früh...

Rückblick:
Ich war beim JA, um die Betreuungszeit für Ragnar aufzustocken, rückwirkend vom 1.9. Leider hatte ich meinen Arbeitsvertrag erst in der zweiten Septemberwoche bekommen und stand gleich am nächsten Tag damit auf der Matte. Die Mitarbeiter waren in der Tat sehr freundlich und zuvorkommend und ich war froh, das erledigt zu haben. Ich bekam noch einen Antrag mit, den ich dann "einfach nur ausgefüllt beim Pförtner einwerfen" sollte. Das, muss ich allerdings gestehen, dauerte etwas. Mann krank, Kind krank und ich gerade in der Eingewöhnungsphase. Nun ja, man sagte mir, man könne der Tagesmutter das Geld rückwirkend gewähren, wenn man den Bedarf nachweisen könne (und nix da von wegen Eile). Klar, konnte ich, stand ja auch alles auf meinem Arbeitsvertrag. Also gab ich den Antrag nix ahnend beim Pförtner ab (knappe 2 Wochen später, allerdings hatte ich mich dafür nochmal explizit entschuldigt) und wartete auf den Bescheid.

Ein paar Tage später rief meine Tagesmutter bei mir auf der Arbeit an. Ziemlich sauer, was ich angesichts dessen, was sie mir erzählte, mehr als nachvollziehen kann. Der Bearbeiter sagte ihr, dass meine Unterlagen unvollständig seien, mein Arbeitsvertrag würde fehlen (wir erinnern uns, extra dafür bin ich zuvor da gewesen!), dazu noch der meines Lebensgefährten (die Bearbeiterin hatte nix dergleichen erwähnt) und sie würde also für September kein Geld bekommen. Für den Oktober auch nur, wenn wir die Unterlagen heut noch vorlegen würden. Natürlich boten wir ihr an, das aus eigener Tasche zu bezahlen. Sie hat ihre Arbeit erledigt und bekommt ihr Geld, das ist ja sonnenklar. Obwohl 90 Tacken ziemlich weh getan hätten, wenn ich ehrlich bin.

Nun ja, zum Feierabend rief ich den Bearbeiter gleich mal an. Ich war ziemlich stinkig, weil ich mir keiner Schuld bewusst war und mich veräppelt fühlte. Ebenso der gute Mann. Er wisse von nix und die Unterlagen wären nicht da. Ich beschrieb ihm die Situation und irgendwann wurde das Gespräch zwar freundlicher, aber trotzdem sehr unbefriedigend. "Kulanterweise" würde er "den Oktober gerade noch mal so übernehmen", nicht jedoch den September. Wutschnaubend schnappte ich mir Mann und Kind und fuhr mit den Unterlagen hin. Die Bearbeiterin in der Spätschicht war schon informiert (na ja, wahrscheinlich dahingehend instruiert, keine Diskussion mit mir anzufangen) und nahm die Sachen entgegen. Irgendwie kamen wir dann trotzdem aufs Thema und es kam heraus, dass die Bearbeiterin, der ich das damals gezeigt hatte, nur als Vertretung dort war. Mit einem doofen Gefühl fuhr ich nach Hause. Ich hasse das, wenn Sachen sich nicht klären lassen. Ich überlegte mir schon die nächsten Schritte.

Zum Glück kam am nächsten Morgen ein Anruf. Der Herr Bearbeiter verkündete uns, dass er "auuuuusnahmsweise" doch alles übernehmen würde. Seine Vertretung konnte sich an rein gar nix mehr erinnern. In dubio pro reo. Ja, toll. Jetzt denkt ihr sicher, dass ich tierisch froh bin, dass ich nix zahlen muss, hm?
Ja, bin ich. Für meine Tagesmutter, dass sie keine Scherereien mehr hat. Und für Ragnar, dass er doch früher seine neue Matratze bekommt. Ich persönlich bin stinkesauer, dass man uns wegen der Vergesslichkeit von Angestellten und diversen anderen (W)Irrnissen als schlampige Idioten darstellt und wir auch noch dafür zahlen sollten. Find ich k...äse!

Nu ja, mal davon abgesehen gehts uns allen prima, mal abgesehen vom chronischen Zeit- und Schlafmangel. Doch davon später vielleicht mehr.

Ich wünsch euch ein schönes Restwochenende!

Liebe Grüße,

Urs

Donnerstag, 17. September 2009

Bumfights

Boah, dass hinter den Bettlern in der U-Bahn manchmal eine Mafia steckt, das weiß man ja. Aber dass die Herrschaften jetzt dort auch schon ihre Kriege führen... unglaublich.

Gerade passiert: ich sitze nichtsahnend und fröhlich vor mich hintelefonierend in der U-Bahn, da wurde unser Gespräch jäh unterbrochen. Die Tür öffnete sich und das Unglück schickte seine Vorboten: eine Musikkapelle in Form von zwei Männern mit Saxophon und Akkordeon. Wer nicht gerade in der Großstadt wohnt, wird denken: oh, wie nett - musikalische Untermalung in den Öffentlichen. Nein, es ist nicht nett. Es ist einfach nur nervig, wenn man kaum eine Fahrt machen kann, ohne ungefragt Input von irgendwelchen mehr oder weniger (meistens leider weniger)guten Musikanten zu bekommen. Hinterher wird dann der Becher hingehalten und ich glaub, die Leute zahlen nur, weil sie froh über den Abgang der Leute sind.

Wie auch immer, ich unternahm noch den vergeblichen Versuch, das Telefonat zu Ende zu führen, leider ging die Stimme meines Gegenübers im blechernen Klang des Saxophons unter und ich legte entnervt auf. Die Tür öffnete sich erneut und als sie sich wieder schloss, erhob sich eine weitere Stimme. Ein Mann bettelte um Almosen und versuchte, das Musikantenstadl zu übertönen, um uns seine traurige Geschichte zu unterbreiten. Im Abteil herrschte ein Geräuschpegel fast wie auf dem Oktoberfest. Als die Musik endlich zu Ende war, gingen alle mit ihrem Becher auf Tour. Da ich eigentlich immer gerne gebe, wenn ich sehe, dass wirklich Bedarf da ist, wollte ich dem Mann mit der traurigen Geschichte ein bisschen Kleingeld in den Becher werfen. Nu ja, immerhin war er mir auch sympathischer, da er mein Telefonat nicht unterbrochen hatte.

Aber was passierte? Mit einem Satz war der eben noch fröhliche Musikant mit einem sehr unfröhlichen Gesichtsausdruck zur Stelle, um mir seinerseits seinen Becher unter die Nase zu halten, was dem anderen Herren überhauptnicht passte. Sofort war eine hitzige Diskussion im Gange und die beiden Kontrahenten schrien lautstark aufeinander ein, ohne jedoch den Becher einen millimeterbreit aus meinem Spenderadius zu nehmen. Dilemma, Dilemma. Ich muss geguckt haben wie ein Auto. Die umstehenden feixten und ich war langsam genervt, nicht nur, weil ich gleich aussteigen musste. Eigentlich, so fiel es mir nachher ein, hätte ich den Streithähnen aus Prinzip nix geben dürfen. Naja, ich habs getan, aber nicht, ohne vorher mein Missfallen zu äußern. Weil so gehts ja nun echt nicht.

Natürlich hat jeder das Recht, seine Mitmenschen auf Kohle anzuhauen. Nur irgendwann verliert man echt die Lust, überhaupt was zu geben. Diese Penetranz ist unglaublich und solche Leute sind dann daran Schuld, wenn wirklich Bedürftige Leute leer ausgehen. Schämt euch was, ihr Aasgeier.

Genervte Grüße,

Urs

Mittwoch, 16. September 2009

Versetzungsgefährdet...

... ja, das drückt es gut aus.

Ärger auf der Arbeit, Klappe, die zigtausendste. Und man beachte bitte, wie kurz ich erst dort bin. Boah Leute, fragt mich nicht, warum ich noch keinen Schreikrampf bekommen habe. Momentan ist mir echt schwer danach. Es ist auch nicht die Arbeit selbst, die liebe ich nach wie vor heiß und innig. Es sind, wie immer, die Kollegen.

Nachdem ich mich zuletzt so geärgert hatte - siehe vorherigen Post - bin ich zu meinem Vorarbeiter gegangen, der mich ohne großes Trara mit in seine Gruppe steckte. Am Freitag musste ich noch einen Tag ganz allein arbeiten, da der eine Kollege beim Arzt war. War auch ganz nett. Man konnte Musik hören, gemütlich vor sich hinfegen und bekam sogar früher Feierabend, weil ich so fleißig war. Lieber Chef, wenn du das liest: natürlich habe ich bis zum offiziellen Zapfenstreich durchgearbeitet ;-D

Am Montag hatte ich dann meinen ersten Tag beim Chef. Boah, wir bekamen Kaffee und sogar Mittagessen. Die Kollegen waren alle nett, unterhaltsam und rochen normal, alle waren fleißig und die Arbeit war toll. Ja. Bis dann gestern ein Anruf kam: ein Kollege hatte sich so dermaßen daneben benommen, dass er aus der Filiale geschmissen wurde. Und ratet mal, wer jetzt für ihn einspringen darf? Ja, genau... zur Belohnung für sein besch...eidenes Verhalten kriegt er jetzt meinen gemütlichen Arbeitsplatz.

Nu ja, wenigstens hab ich jetzt die netteste Kollegin: mich, hehe. Bis Ende des Monats darf/muss/kann ich noch alleine arbeiten. Scheinbar hab ich nen guten Eindruck hinterlassen. Chef und Kollege sagten mir, dass sie mich jetzt schon vermissen und mich so bald wie möglich wieder haben wollen *lach*. Jaja, ich euch auch ^^

Heute, an meinem ersten Tag ging es erst gut los und dann drunter und drüber. Seit heute weiß ich, wie man die Pumpe zum Rasensprengen installiert, wie schwer knappe 50 Meter Schlauch sein können, was Dichtungsringe sind - und dass unsere Dichtungsringe nicht passen. Schöne Bescherung. Nicht nur die Pflanzen wurden nass, sondern auch noch der halbe Hof plus meiner Wenigkeit. Plus, dass ich noch tierisch dreckig wurde und in der Bahn angegafft wurde, als würde ich gleich den Bettelbecher rausholen. Ich hatte jedenfalls viel Platz um mich rum.

Meine erste Amtshandlung zu Hause war erstmal ein heißes Bad. Allein in der Nase hatte ich die gefühlte Hälfte des Sandkastens und sogar auf dem Rücken war eine richtig gruselige Schicht Sand. Das Zeug ist so hartnäckig, dass ich manchmal sogar mit ner Bürste ran muss, um wieder porentief rein zu werden.

Am liebsten würde ich gleich ins Bett fallen. Allerdings gibt es da ja noch eine Familie, die bekocht werden will und Arbeitsklamotten, die wieder als solche erkenntlich gemacht werden wollen.

Ich brauch jetzt erstmal ne große Portion Baklava. Das ist das Gute an meiner Arbeit: ich darf jetzt wieder öfter! Und ich finde, heut hab ichs mir so richtig verdient.

Euch auch allen nen schönen Feierabend!

LG,

Urs

Donnerstag, 10. September 2009

Ich bin nich mehr dein Freund....

... und kauf dir auch kein' Lutschaaaaaaa....

So oder ähnlich hör ich es in letzter Zeit oft. Wie einige von euch wissen, habe ich seit dem 1. 9. einen neuen Job. Ich arbeite als Garten-Landschaftsbau-Helferin in einem Kindergarten. Ich liebe meine Arbeit. Ja, wirklich. Ursprünglich wollte ich ja ein Halbtagsplatz auf einem Tierfriedhof machen, aber durch die Initiative einer netten Bearbeiterin bekam ich eine(leider befristete) Vollzeitstelle zugeteilt - sogar bezahlt, zwar nicht gut, aber immerhin. Beim Vorstellungsgespräch war ich noch überzeugt, dass ich die Stelle sicher hätte und redete mit Chef und Vorarbeiter ganz locker und flapsig in klassisch-ursischer Manier ("Wie, Sie wollen meine Zeugnisse nicht sehen? Na hörnse mal, wofür hab ich mich da eigentlich so abgeschleppt?!"). Es stellte sich heraus, dass ich noch Mitbewerber hatte. War mir das peinlich. Aber scheinbar hat es den beiden nix ausgemacht und ich hatte den Job.

Angefangen hat alles ganz klassisch: kurz vor meinem Einführungstag wurde ich nochmal so richtig krank und schleppte mich dann mit Husten, Fieber und ziemlich tauben Ohren dorthin und musste am nächsten Tag auch noch etwas kränklich arbeiten. Aber das macht man ja gern.

Nachdem ich jetzt eine Woche mit meinen zwei Kollegen zusammengearbeitet habe, kann ich nur sagen: Hilfe.
Einer fauler als der andere, wobei der eine ständig riecht wie eine Destille und ich mich jedes Mal aufs Neue wundern muss, wie er noch geradeaus laufen kann (wir erinnern uns: Kindergarten). Der andere glänzt primär durch ein großes Maul und versucht ständig den Chef raushängen zu lassen. Er ist Serbe und versteht gerade DANN kein Deutsch, wenns mal unangenehm für ihn wird. Die Wörter Mittagspause und Feierabend versteht er aber blendend, kann ich euch sagen.
Ständig steht er hinter mir und versucht mir sogar für die einfachsten Dinge Anweisungen zu geben. Ich kann euch versichern, dass ich einen Raum mit Folie auslegen und abkleben kann, ohne dass hinter mir ständig jemand sagt: "Ja, sehr schön..." - genauso wie ich einen Baumarkt finde, wenn mir jemand den Weg beschreibt. Aber zwecklos, er wollte mit - was man nicht alles tut, um nicht arbeiten zu müssen. Argh. Die beiden kriegen übrigens schon ab 12 Heimweh und fangen dann an, ihre Sachen zu packen, obwohl es bereits ordentlich Ärger gab und die beiden schon auf der Abschussliste stehen. "Ist ja nix mehr zu tun..." - wenn ich mich dann aber anbiete, fragen zu gehen, werden die beiden Herren fast schon hysterisch. Als ich vorgestern Anschiss für die Faulheit der beiden Herren kassiert hab, ist mir dann der Kragen geplatzt. Hallo? Immerhin gefährden die Herren wissentlich meinen Arbeitsplatz...

Das Ende vom Lied: ich werde versetzt und muss dafür eine Std früher raus, sprich viertel nach vier. Aber das isses mir wert. Ich darf mit meinem Vorarbeiter arbeiten, der vernünftigste und netteste von allen, die ich bei dem Haufen bis jetzt kennen lernen durfte. Morgen darf ich sogar einen Kindergarten ganz alleine handlen. Schön, dass sie mir das zutrauen, das freut mich ehrlich.

Mein letzter Arbeitstag in dieser Filiale war allerdings schön. Die Kinder waren süß wie immer (unser Serbe jagt die immer weg, deswegen kommen die zu mir,hehe) und bald war ich umringt von einem Pulk Steppkes, die mir unbedingt helfen wollten, den Zaun abzuschleifen. Also hab ich Sandpapier verteilt und alle waren froh - sogar der Erzieher, der mal n paar Minuten Ruhe hatte. Das Wetter war richtig toll und ich hab mir um diese Jahreszeit noch nen Sonnenbrand geholt. Mein serbischer Kollege brauchte 2 Stunden, um die Blumen zu gießen und wollte nicht mitschleifen, weil das Sandpapier seinen Ansprüchen nicht genügte und dachte anscheinend wirklich, er könne nach Hause gehen. Der andere war rechtschaffen verzweifelt, wie er es mit der faulen Socke aushalten sollte. Ein "trink ihn dir schön" konnte ich mir gerade so verkneifen - ein schadenfrohes Grinsen allerdings nicht. Er tat mir allerdings wirklich etwas Leid, weil rein persönlich war er eigentlich okay und konnte sogar recht arbeitsam sein, wenn er wollte.

Ich bin dermaßen gespannt, was noch so auf mich zukommt. In meiner neuen Filiale werd ich noch mehr mit Kindern zu tun haben als jetzt schon. Das freut mich total. Und Arbeit soll auch immer en masse vorhanden sein, sogar Steine setzen sollen wir lernen. Momentan hab ich i-wie das Spongegbob-Syndrom: ich freue mich so richtig auf die Arbeit und hab selbst morgens um sechs schon gute Laune *lach*.

An dieser STelle möchte ich auch Grüße an die dalassen, die ich in letzter Zeit schmählich vernachlässigt habe. Tut mir ehrlich leid, ich hab momentan einfach zuviel um die Ohren und schlaf abends manchmal schon um halb zehn einfach ein. Nein, ich hab euch nicht vergessen. Danke für all die lieben Mails und PNs - ich werde sie beantworten, wenn ich wieder die Zeit und den Kopf dazu habe. Danke für eure Geduld.

Arbeitsame *ich bin bereiiiit*-Grüße,

Eure Urs